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Bedeutung des Referendariats

Philologenverband Sachsen e.V.
Berufsverband für Gymnasiallehrer
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Bedeutung des Referendariats

PVS 2025
Samstag 28 Feb 2026 · Lesezeit 4:15

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmer,
Herr Staatssekretär, lieber Herr Kühner,
liebe Frau Hofmann, lieber Vorsitzender des Sächsischen Philologenverbandes Thomas Langer, insbesondere: liebe Jessica Kanitz,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
und vor allem: liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

es ist mir eine große Freude, heute an dieser Premiere teilhaben zu dürfen: an der Verleihung des ersten Sächsischen Lehrerausbildungspreises – eine Auszeichnung, die längst überfällig war und heute sichtbar macht, was sonst allzu leise bleibt: die enorme Bedeutung der zweiten Phase der Lehrkräftebildung.
Liebe Jessica Kanitz, Dir gebührt besonderer Dank. Mit „Lehrkräfteausbildung mit Herz und Haltung“ hast Du einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der Anerkennung dorthin bringt, wo sie dringend gebraucht wird.

Von Berlin 2019 nach Dresden 2026 – ein starkes Zeichen: Erinnern Sie sich, Herr Ministerpräsident?
2019 würdigten Sie, lieber Herr Kretschmer, in Berlin im Rahmen des Deutschen Lehrkräftepreises herausragende Lehrkräfte aus ganz Deutschland.
2026 würdigen Sie hier in Dresden herausragende Ausbildungslehrkräfte, Mentorinnen, Mentoren aus ganz Sachsen – Menschen, die die nächsten Generationen dieses Berufs in Ihrem Land prägen.

Das ist das richtige Zeichen zur richtigen Zeit, denn wer die Lehrkräfteausbildung stärkt, stärkt langfristig das gesamte Schulsystem und die Bildung unserer Schülerinnen und Schüler.
Aus Bundesperspektive sage ich:
Sachsen setzt heute ein wichtiges Signal.
Ein Signal, das über die Landesgrenzen hinausstrahlen sollte, für die zweite Phase, in der das Herz der Professionalisierung der angehenden Lehrkräfte sitzt. Denn das Referendariat ist nicht irgendeine Phase – es ist der entscheidende Übergang: von der Theorie zur reflektierten Praxis, vom Wissen zum pädagogischen Können, vom Anspruch zur Verantwortung.  

Hier lernen junge Lehrkräfte, wie Unterricht gelingen kann, wie man Klassen leitet, wie man Beziehung gestaltet. Das ist harte Arbeit – und das ist hohe Kunst, und es bedarf der professionellen Anleitung und Begleitung mit ausreichenden zeitlichen Ressourcen. Ich darf das sagen, auch weil ich es selbst erlebt habe.

Ich habe ein zweijähriges Referendariat durchlaufen – mit allem, was dazu gehört: Freude, Erschöpfung, Aha-Momente, Zweifel, und diese Augenblicke, in denen man merkt: Ja, ich kann das, ich will das, ich lerne viel, ich muss noch viel lernen, aber ich bleibe dabei, ich bekomme Unterstützung, ich stehe es durch... Später war ich selbst Ausbilderin in der zweiten Phase: Es war die befriedigendste Zeit meines bisherigen Berufslebens: junge Lehrkräfte wachsen zu sehen, ihre Entwicklung zu begleiten, ihre Professionalität zu stärken und zu erleben, wie sie – manchmal zögerlich, manchmal mit einem inneren Feuer – in diesen anspruchsvollen Beruf hineinfinden.  
Aber ich sage auch mit echter Überzeugung: Ausbildungslehrkräfte brauchen mehr Zeit und Entlastung, als sie zurzeit haben, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Wirklich gute Ausbildung ist keine Nebensache. Sie braucht Raum, Reflexion, Gespräche, gemeinsame Unterrichtsplanung, ausführliches und echtes Feedback, Zeit. Die Realität ist allerdings häufig: Man funktioniert. Man improvisiert. Man schafft es irgendwie. Für die Referendarinnen und Referendare.

Doch am Referendariat – und an den Menschen, die es tragen – darf nicht gespart werden. Weil die zweite Phase, das Referendariat, das Herz der Lehrkräfteausbildung ist. Weil junge Lehrkräfte mit sorgsam portionierter Wucht und in professioneller Begleitung erfahren, was dieser Beruf eigentlich bedeutet: Komplexität zu meistern, Beziehungen aufzubauen, Unterricht so zu gestalten, dass Bildung entsteht.
Wir stehen vor großen Herausforderungen: Personalmangel, Heterogenität, Digitalisierung, gesellschaftliche Spannungen. Umso wichtiger ist eine wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig professionell und menschlich zugewandte Lehrkräfteausbildung. Wenn wir an der zweiten Phase nicht (!) sparen, sondern sie stärken, stärken wir: die Resilienz junger Lehrkräfte, die Qualität des Unterrichts in Sachsen - und damit klar die Qualität und Zukunft des sächsischen Bildungswesens. Und das ist nicht nur, aber auch bedeutsam für die vielen wissensdurstigen Kinder der Fachkräfte in Silicon Saxony… ;-)

Sie, die Preisträgerinnen und Preisträger, zeigen, was es bedeutet, diesen Beruf mit Können, Haltung und Engagement auszufüllen. Sie stehen stellvertretend für viele Lehrkräfte und Ausbilder in Sachsen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen und ihren Beruf als Auftrag verstehen. Sie tragen bisher eine eher stille Verantwortung – aber eine gewaltige.
Jede gute Lehrkraft, die irgendwo in Sachsen eine Klasse führt, jede Schülerin, die plötzlich etwas versteht,
jeder Schüler, der durch guten Unterricht Selbstvertrauen gewinnt – all das wird hier maßgeblich vorbereitet:
Hier, in der zweiten Phase. Hier, bei Ihnen. Hier, von den Menschen, die heute ausgezeichnet werden.
Sie säen, was andere später ernten. Sie entzünden ein Feuer, das junge Lehrkräfte ein Berufsleben lang nährt.  
Dieser Lehrkräfteausbildungspreis des Philologenverbands Sachsen hat eine sehr wichtige Botschaft: Wir sehen die zweite Phase. Wir sehen die Ausbilder und Mentorinnen. Wir sehen Sie. Und wir wollen Sie und die zweite Phase damit stärken!  

Möge es gelingen!


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