10.08.18 Angespannte Personalsituation auch an sächsischen Gymnasien

Vielen Schulen droht Unterrichtsausfall bereits zu Schuljahresbeginn

„Die Nichtbesetzung von über 230 ausgeschriebenen Stellen zu Beginn des neuen Schuljahres bringt den Bildungsstandort Sachsen maßgeblich in Gefahr“, äußerte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Sachsen, Thomas Langer. „Gestaltete sich die Unterrichtsversorgung in den Grund-, Ober- und Förderschulen seit Jahren inakzeptabel, so wird dieser Zustand jetzt auch an den Gymnasien Realität.“ So könne an einzelnen Schulen der Fachunterricht gemäß Stundentafel nicht mehr abgedeckt werden, sodass Kürzungen ab dem ersten Schultag vorgenommen werden müssten. Das beträfe nicht nur Gymnasien im ländlichen Raum, sondern auch Schulen in den sogenannten Ballungsräumen. So fehlten beispielsweise an den Gymnasien des Standortes Dresden zum Schuljahresbeginn Lehrkräfte für fast 50 Stunden Mathematik und 70 Sportstunden.

„Vor diesem Hintergrund muss die Einstellungspraxis des Freistaates dringend hinterfragt werden“, fordert Thomas Langer. Aufgrund fehlenden Personals in den anderen Schularten seien wiederholt die für die Gymnasien notwendigen Stellen zur Absicherung des Fachunterrichts - auch mit Vertretungsreserven - nicht ausgereicht worden. „Kritisch betrachten wir auch, wie die personalverwaltenden Stellen mit den Bewerbern umgehen. Offenbar mangelt es noch immer an der erforderlichen Wertschätzung, wenn nach wie vor eine Vielzahl von grundständig ausgebildeten Lehrkräften nicht in Sachsen gehalten werden kann. Wie ist es sonst zu erklären, dass man ihnen trotz noch vorhandener offener Stellen, wie zum Beispiel am Standort Bautzen, bis heute gar kein Angebot unterbreitet hat?“, äußerte Langer.

Der Philologenverband fordert die Verantwortlichen auf, das Einstellungsverfahren dringend zu korrigieren. „Dafür braucht die Verwaltung unbedingt mehr Personal“, schlug der Landesvorsitzende vor.

Außerdem verwies Langer auf einen weiteres Problem, das den Lehrermangel derzeit besonders verschärfe: „Es ist bezeichnend, dass die Hälfte unserer Kolleginnen und Kollegen freiwillig in Teilzeit arbeitet, um die hohen Anforderungen und starken Belastungen bewältigen zu können. Dadurch geht dringend benötigtes Arbeitsvolumen verloren. Wir brauchen also entlastende Maßnahmen, um sowohl die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern als auch den Unterrichtsausfall zu reduzieren.“

Sollte die Staatsregierung nicht umgehend handeln, drohe Sachsen eine Bildungskatastrophe, die seine Zukunft als Forschungs- und Wirtschaftsstandort gefährdet. Abschließend bekräftigte der Vorsitzende des Philologenverbands Sachsen: „Das hohe Bildungsniveau der sächsischen Gymnasien muss erhalten bleiben!“

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